spd besichtigt Eberlhof

Franz Eberl: “Wir setzen auf Klasse statt Masse”

Am Mitt­woch, den 19. Febru­ar 2014, hat­ten die SPD Orts­ver­ei­ne Mar­k­lk­ofen und Stein­berg Mit­glie­der und Bevöl­ke­rung zu einer Betriebs­füh­rung zu uns auf den Geflü­gel­hof Eberl ein­ge­la­den. Sie woll­ten sich über das The­ma der regio­na­len Ver­mark­tung von Pro­duk­ten infor­mie­ren.

Adi Moser, der Orts­ver­bands­vor­sit­zen­de der stein­ber­ger SPD begrüß­te die Gäs­te, dar­un­ter den CSU-Bür­ger­meis­ter­kan­di­da­ten Peter Eis­gru­ber-Rau­scher, den SPD-Kreis­vor­sit­zen­den Dr. Bernd Vils­mei­er, Gemein­de­rat Hans Vils­mei­er sowie die Kan­di­da­tin­nen und Kan­di­da­ten der dies­jäh­ri­gen SPD-Gemein­de­rats­lis­te. Er lob­te unse­ren Fami­li­en­be­trieb als „gut geführ­ten, moder­nen Vor­zei­ge­be­trieb mit Vor­bild­funk­ti­on in Sachen art­ge­rech­ter Tier­hal­tung, mit Boden- und Frei­land­hal­tung inklu­si­ve eige­nem, kon­trol­lier­ten Fut­ter­an­bau“, der neben Eiern und Nudeln auch ein aus­ge­such­tes Hof­la­den-Sor­ti­ment anbie­tet.

Das hat uns beson­ders gefreut, schließ­lich hilft die gan­ze Fami­lie zusam­men, um die Kun­den, die stän­dig mehr wer­den, freund­lich und fach­ge­recht zu bedie­nen und zu bera­ten. Für die sai­so­na­len Schman­kerl, alle aus qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­gen Zuta­ten, die vor­wie­gend aus dem eige­nen Gar­ten stam­men, ist mei­ne Lebens­ge­fähr­tin Mari­an­ne Bau­er zustän­dig. Vie­le bei uns in der Gemein­de ken­nen Mari­an­ne und lang­jäh­ri­ge Lei­te­rin des Kin­der­gar­tens. Mit viel Enga­ge­ment erwei­tert sie kon­ti­nu­ier­lich das Ange­bot unse­res Hof­la­dens mit neu­en kuli­na­ri­schen Schman­kerln.

Als neu­es­te regio­na­le Ver­mark­tungs­stra­te­gie haben wir in Mar­k­lk­ofen, Din­gol­fing, Gott­frie­ding und Land­au jetzt tem­pe­rier­te Eier- und Nudel­au­to­ma­ten auf­ge­stellt, „an denen man sich Tag und Nacht mit fri­schen Eiern, Nudeln und Toma­ten­so­ßen ver­sor­gen kann.“ Ein Ange­bot, das auch vie­le jun­ge Leu­te, bei­spiels­wei­se wenn sie aus der Dis­co nach Hau­se kom­men oder Berufs­tä­ti­ge ger­ne nut­zen.

Dar­über hin­aus wies Adi Moser dar­auf hin, dass der täg­lich anfal­len­de Hüh­ner­mist bei uns in eine Bio­gas­an­la­ge gelie­fert wird, mit deren Abwär­me bei­spiels­wei­se Schu­le und Kin­der­gar­ten ver­sorgt wer­den. Das anfal­len­de Sub­strat dient zudem zum Dün­gen der Fel­der. Ein wei­te­res Stand­bein in Sachen Ener­gie ist bei uns die Solar­ener­gie.

Die anschlie­ßen­de Betriebs­füh­rung star­te­ten wir in der Pack­stel­le, wo die Eier aus den Stäl­len auto­ma­tisch auf Lauf­bän­dern ange­lie­fert wer­den, um durch­leuch­tet, sor­tiert, kom­mis­sio­niert, gepackt und aus­ge­lie­fert zu wer­den. Die Stäl­le konn­ten wir nicht mehr besu­chen, da unse­re Hüh­ner zu die­sem Zeit­punkt bereits schla­fen. Damit sich unse­re Besu­cher ein Bild von der Lage machen konn­ten, war an die­ser Stel­le erst ein­mal ein kur­zer Ein­blick in die His­to­rie unse­res Betriebs ange­sagt:

1961 hat­ten sei­ne Eltern, die bis dato nur Rin­der und Kühe hiel­ten, einen der ers­ten Stäl­le mit Lege­hen­nen in der Gemein­de instal­liert. Die fort­schritt­li­che Idee dahin­ter: Ganz­jäh­rig fri­sche Eier anzu­bie­ten, denn die­se fehl­ten damals vie­ler­orts im Win­ter – was man sich heu­te gar nicht mehr vor­stel­len kann. 1968 kamen zu den Lege­hen­nen dann 500 Mast­schwei­ne hda­zu. Doch die ver­schie­de­nen Tier­hal­tun­gen und die par­al­le­le, damals noch sehr viel müh­sa­me­re und zeit­in­ten­si­ve Feld­ar­beit, lie­ßen bald den Gedan­ken an eine Spe­zia­li­sie­rung auf­kom­men.

Schon wäh­rend mei­ner Aus­bil­dung zum staat­lich geprüf­ten Land­wirt rech­ne­te und über­leg­te ich dann, wie der Hof mei­ner Eltern künf­tig ein­mal aus­se­hen könn­te und als ich nach der Aus­bil­dung und der Bun­des­wehr nach Hau­se zurück­kam, da war der Schwei­ne­stall auch schon umge­baut und der Geflü­gel­hof Eberl war gebo­ren. Aller­dings damals noch mit Käfig­hal­tung. Doch die­se Pha­se dau­er­te nicht sehr lan­ge. In der Fol­ge­zeit wuchs der Bedarf an Eiern zwar ste­tig, lei­der wur­den gleich­zei­tig die Erlö­se immer gerin­ger.

Da gab es nur eines, sich zwi­schen Mas­se oder Klas­se zu ent­schei­den. Wir haben uns damals ganz bewusst gegen die Mas­sen­tier­hal­tung ent­schie­den und setz­ten fort­an auf Qua­li­tät. Das führ­te dazu, dass wir 1996 unse­re ers­te Lege­hen­nen-Boden­hal­tungs­an­la­ge kauf­ten. Anfangs wur­de ich dabei von vie­len eher belä­chelt, trotz­dem stell­ten wir den Betrieb zügig um, denn Käfig­hal­tungs­ei­er soll­ten auf kei­nen Fall im eige­nen Betrieb mit Boden­hal­tungs­ei­ern kon­kur­rie­ren, da die Boden­hal­tung wesent­lich auf­wen­di­ger und die Eier dem­ents­re­chend teu­rer waren.

Doch gott­sei­dank hat­te ich „auf das rich­ti­ge Huhn gesetzt“ und die Neu­aus­rich­tung wur­de ein vol­ler Erfolg. Als die Käfig­hal­tung dann aber lan­des­weit ver­bo­ten wur­de, stan­den wir wie­der vor der Her­aus­for­de­rung, eine Stra­te­gie zu ent­wi­ckeln, um uns von der Kon­kur­renz abzu­he­ben. Also bau­ten wir 2010 unse­ren ers­ten Frei­land­stall. Nach klei­ne­ren Anfangs­schwie­rig­kei­ten erwies sich auch die­se Ent­schei­dung als gold­rich­tig. Geiz ist geil ist ja heu­te gott­sei­dank heu­te nicht mehr so gefragt. Immer mehr Ver­brau­cher sind mitt­ler­wei­le bereit, gute Ware auch ent­spre­chend zu bezah­len.

Beim Rück­blick kris­tal­li­sier­te sich schnell her­aus, dass ein Erfolgs­ge­heim­nis des Geflü­gel­hof Eberl die Ver­än­de­rung ist, denn „Still­stand ist Rück­schritt“. Und das gilt auch für die regio­na­le Ver­mark­tung von Pro­duk­ten: In der Ver­gan­gen­heit wur­den Eberl-Eier und ‑Nudeln im Land­kreis in ers­ter Linie über Märk­te ver­trie­ben. Doch die­ser Ver­triebs­ka­nal wird zuneh­mend schwie­ri­ger, da vie­le Händ­ler kei­ne Nach­fol­ger haben. Und der Ver­trieb über Super­markt­ket­ten stellt eben­falls kei­ne Alter­na­ti­ve dar, die sich rech­net. Im Gegen­teil.

Aus die­sem Grund haben wir 2012 unse­ren ers­ten Eier-Auto­ma­ten in Mar­k­lk­ofen auf­ge­stellt. Und weil das Expe­ri­ment gut lief erwei­tern wir der­zeit unse­ren Stand­ort­ra­di­us. Dabei ist der größ­te Vor­teil die­ser Ver­triebs­stra­te­gie die Unab­hän­gig­keit.

Womit wie­der wir wie­der einen wich­ti­gen Eck­pfei­ler für eine siche­re Zukunft des Betriebs set­zen konn­ten, den ein­mal mein Sohn Mar­kus, 16, über­neh­men wird.

Zudem haben wir ab 2012 unse­ren Hof­la­den-Betrieb erwei­tert und aus­ge­baut, da immer mehr Ver­brau­cher ihre Lebens­mit­tel bevor­zugt direkt „ab Hof“ kau­fen möch­ten.

Sowohl unse­ren Eier-Auto­ma­ten als auch den Hof­la­den konn­ten die Besu­cher anschlie­ßend selbst in Augen­schein neh­men, eben­so wie die Was­ser­elek­tro­ly­se-Anla­ge, dank der wir zu 100 Pro­zent auf Anti­bio­ti­ka­bei­ga­ben ver­zich­ten kön­nen – und das auf rein natür­li­cher Basis. Fazit von Dr. Bernd Vils­mei­er: „Der Geflü­gel­hof Eberl ist ein gutes Bei­spiel dafür“, dass es die Kun­den selbst in der Hand haben, wie unse­re Nutz­tie­re gehal­ten und unse­re Lebens­mit­tel pro­du­ziert wer­den.

Denn letzt­lich bie­tet der Markt immer nur das an, was die Kun­den wün­schen. Bil­li­ge Lebens­mit­tel sind weder gut für uns noch für unse­re Umwelt. Zwar haben gesun­de Lebens­mit­tel und Nutz­tie­re ihren Preis, aber den soll­ten sie uns wert sein!”

Zum Abschluss gab es für unse­re Besu­cher noch eine zünf­ti­ge Brot­zeit, wobei die The­men wei­ter ver­tieft wer­den konn­ten.

Geflügelhof Eberl
Qualität und Frische. Aus Marklkofen im Vilstal.